Denkmalschutzpreis BW 2022 u.a. an Zimmerei Frodermann vergeben

Thomas Frodermann ist nicht nur Stellvertretender Obermeister der Zimmerer-Innung Stuttgart, sondern auch seit langer Zeit Geprüfter Restaurator im Zimmererhandwerk. Als solches wurde nun vom Schwäbischen Heimatbund die Zimmerei Frodermann GmbH & Co. KG in Stuttgart-Weilimdorf mit dem 'Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg 2022 ausgezeichnet. Dazu gratulieren wir Thomas und Detlev Frodermann sowie dem ganzen Mitarbeiter-Team ganz herzlich!

Wir zitieren aus der Pressemeldung vom Schwäbischen Heimatbund:
"Auch 2022 dürfen sich fünf private Denkmaleigentümer über die Auszeichnung mit dem Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg freuen. Mit diesem Preis, der bereits seit 1978 vom Schwäbischen Heimatbund e.V. vergeben wird und unter der Schirmherrschaft von Ministerin Nicole Razavi steht, werden Eigentümer geehrt, die bei der Sanierung und Umnutzung ihres historisch bedeutsamen Hauses besonders vorbildlich vorgegangen sind und damit einen wichtigen Beitrag zur Weitertradierung der vielfältigen Baukultur im Land geleistet haben. Wie bereits seit 2006 ist die Finanzierung des Preises der großzügigen Unterstützung durch die Wüstenrot Stiftung zu verdanken. „Hohe Kosten für Facharbeit, der Verlust an handwerklichen Traditionen, eine überbordende Bürokratie und ein Rückzug der öffentlichen Hand aus der Bezuschussung von Maßnahmen am Kulturdenkmal haben die Denkmalpflege in den letzten Jahren nicht einfacher gemacht. Dass private Denkmaleigentümer dennoch mit großem persönlichen und finanziellem Engagement sowie kreativen Ideen ihrer Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen nachkommen, soll gewürdigt werden“, so Dr. Gerhard Kabierske, der Vorsitzende der neunköpfigen Jury, einem Gremium aus Vertretern des Schwäbischen Heimatbundes, des Landesvereins Badische Heimat, der Wüstenrot Stiftung, der Landesdenkmalpflege, des Städtetags und der Architektenkammer Baden-Württemberg sowie des Handwerks – darunter auch dem Verband der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. Aus 65 Bewerbungen kamen elf Objekte in eine engere Wahl. Nach deren Besichtigung wurden schließlich die fünf Preisträger 2022 für besonders vorbildliche Sanierungen bestimmt: das ehemalige Jägerhaus des Klosters Salem in Bermatingen, den Wildenhof in Lenzkirch-Raitenbuch, ein Fachwerkhaus in Maulbronn-Zaisersweiher, das frühere Pfarrhaus in Wangen-Oberwälden sowie der ehemalige Bahnhof von Eckhartshausen-Ilshofen. Als Zeichen der Anerkennung erhalten die Bauherrschaften einen Geldpreis in Höhe von 5.000 Euro sowie eine Bronzeplakette zur Anbringung an ihrem Gebäude. Zudem ist die Auszeichnung mit Urkunden für die Eigentümer sowie die beteiligten Architekten, Restauratoren und Handwerker verbunden. Die Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung im Frühjahr 2023 überreicht. Informationen zu den ausgezeichneten Objekten sowie zu allen bisherigen Preisträgern finden sich unter www.denkmalschutzpreis.de

Fachwerkhaus in Maulbronn-Zaisersweiher (Enzkreis) 
2016 wurde Detlev Frodermann auf ein stattliches Fachwerkhaus aufmerksam, das über eine Internetanzeige in Zaisersweiher im Kraichgau, heute ein Ortsteil von Maulbronn, angeboten wurde. Ein erster Besuch überzeugte ihn und seine Frau, dass es sich bei dem zweigeschossigen Bau mit einem hohen Giebel zur Straße um ein besonders schmuckes Beispiel des 18. Jahrhunderts handelt mit schönen Zierfachwerkbrüstungen unter den Fenstern des Obergeschosses. Der Zustand war freilich ernüchternd. Seit nahezu 40 Jahren war das einst stolze landwirtschaftliche Anwesen nicht mehr bewohnt gewesen. Verschiedene Eigentümer hatten sich die Klinke in die Hand gegeben und sich mit Sanierungsversuchen überfordert gezeigt. Wasser drang über das kaputte Dach ins Innere, der gemauerte Sockel war brüchig und an den Ecken abgesunken, der Putz bröckelte von den Fachen. Das Holzwerk war trotz schwerer Schäden nur deshalb noch einigermaßen tragfähig, weil man für die Konstruktion ausschließlich Eiche verwendet hatte. Für die zugehörige Doppelscheune im hinteren Teil des Grundstücks, das ursprünglich über eine große Durchfahrt durch das Haus erschlossen worden war, gab es leider keine Rettung mehr. Nach einem Teileinsturz hatten die Denkmalbehörden den Abbruch genehmigt.

Da auch das talseitige Nachbarhaus abgerissen wurde, drohte dem Ortskern an empfindlicher Stelle nahe der Kirche der Verlust des historisch gewachsenen malerischen Straßenbilds. Die Frodermanns ließen sich von der auf den ersten Blick desaströsen Situation nicht abschrecken, hatte man doch gute Kenntnisse, was den Holzbau angeht und wusste zudem den Bruder Thomas mit im Boot. Gemeinsam besitzen sie in Stuttgart-Weilimdorf ein Zimmerergeschäft, das auf die Sanierung von Kulturdenkmalen spezialisiert ist. Die beiden Brüder fühlten sich von der besonderen Aufgabe herausgefordert und entschlossen sich zum Kauf des Objekts, um es mit ihrem handwerklichen Fachwissen denkmalgerecht zu sanieren. Die insgesamt vierjährige Planungs- und Bauphase begann parallel zur notwendigen Entrümpelung vorbildlich mit einer genauen Baudokumentation: verformungsgerechtes Aufmaß, Farbbefunduntersuchung außen und innen, eine detaillierte Schadensdokumentation des Holzwerks sowie ein vom Stuttgarter Architekturbüro Strebewerk erstelltes Instandsetzungskonzept waren für die Bauherren selbstverständliche Grundlage für die Realisierung der Sanierungsmaßnahme. Dabei wurde dendrochronologisch auch die Datierung des Hauses geklärt. Das Holz war 1731 geschlagen worden. Nachgewiesen wurde auch, dass die Originalsubstanz weitestgehend ohne Umbauten erhalten geblieben war. Nur eine innen liegende Wand war verschoben worden, um eine Grube im Ökonomiebereich schaffen zu können. Diese Wand wurde wieder an ihre ursprüngliche Stelle zurückversetzt, um der Treppe wieder mehr Raum zu verschaffen. Ansonsten wurden größere Eingriffe vermieden. Das Dach erhielt durch zwei Schleppgauben mehr Licht. Die Durchfahrt, bereits seit langem geschlossen, wurde durch ein neues Tor zur Straße und einen Glasabschluss zum Hof klimatisch dem Hausinneren zugeschlagen und ist nun als Wohnraum genutzt. Ansonsten wurde das Haus in allen Gewerken nach den restauratorischen Grundlagen auf besonders sorgfältige handwerkliche Weise repariert. Aber auch an Belange der Gegenwart wurde gedacht: Zur Wärmeisolierung wurden die reparierten alten Fenster zu Kastenkonstruktionen ausgebaut, an den Außenwänden eine Innendämmschale angebracht und mit Lehm verputzt. Der sichtbar gebliebene Dachstuhl erhielt eine außenseitige Bretterschalung mit Aufsparrendämmung, deren Erscheinungsbild am Giebelortgang durch eine plastisch gegliederte Gestaltung geschickt minimiert wurde. Seit 2020 bewohnen Detlev Frodermann und seine Frau das Haus, dessen Sanierung nach Meinung der Jury Schule machen sollte. 

 

Fachwerkhaus in Maulbronn-Zaisersweiher - Denkmalschutzpreis BW 2022

 

© Foto: Gerhard Kabierske

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