Projektbilder der Mitgliedsbetriebe II

Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg 2018

 
Im Breitenweingarten 10. 78354 Sipplingen (Bodenseekreis)

Rebleutehaus des Klosters Salem in Sipplingen

Preisträger: Familie Ackermann, Sipplingen | Architektin: Corinna Wagner-Sorg, Überlingen

Frau und Herr Ackermann waren die idealen Denkmalbauherren. Für Anregungen offen, flexibel und immer darauf bedacht, dem Haus gerecht zu werden, so äußert sich Corinna Wagner-Sorg, in Denkmalsanierungen erfahrene und bereits früher mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnete Architektin aus Überlingen. Auch bei diesem Objekt in Sipplingen am Bodensee sollte die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Architektin, Bauforscherin, Denkmalpflegern, Restauratoren und Handwerkern, darunter auch der ebenfalls bereits als Beteiligter bei preisgekrönten Sanierungen bekannt gewordene Zimmermann Sebastian Schmäh, zu einem hervorragenden, beispielgebenden Ergebnis führen.

Das breit gelagerte zweigeschossige Haus mit hoch aufragendem Walmdach war um 1595 für den vom Klosters Salem betriebenen Weinanbau nahe des Bodenseeufers errichtet worden. Es ist ein gebautes Dokument für die auch in der Neuzeit noch bedeutende wirtschaftliche Rolle der für die Region so wichtigen Klostergemeinschaft. Ursprünglich völlig in Sichtfachwerk errichtet, befand sich im Erdgeschoss der rechten Haushälfte ehemals ein großer Torkel, ansonsten diente das Gebäude vor allem zur Unterbringung der zahlreichen Rebleute. Die genaue Bauuntersuchung ergab zahlreiche spätere Veränderungen. So wurden im 18. Jahrhundert im westlichen Gebäudeteil die Außenwände des Erdgeschosses durch Mauerwerk ersetzt, im 19. Jahrhundert erfolgte eine Aufteilung in zwei Haushälften, die heute noch besteht. Die innere Erschließung durch einen Mittelgang in Längsrichtung wurde damals kurzerhand durch eine Mauer getrennt. Dem kleineren westlichen Hausteil wurde 1866 für die landwirtschaftliche Nutzung ein Anbau angefügt, später im hangseitigen Erdgeschoss zudem ein Stall eingerichtet.
 
Das ehemalige Keltergebäude erstrahlt in historischem Glanz – Aufnahmen: Ulrich Gräf
 
Diesen und zahlreichen weiteren Zeitschichten fügt sich nun im westlichen Hausteil einfühlsam eine weitere hinzu. Dabei wurde dem Bau nicht einfach eine neue Nutzung aufoktroyiert, sondern von den Befunden ausgehend überlegt, wie sich der Bau sinnvoll weitertradieren ließe, ohne seine geschichtliche Aussage zu schmälern. Erdgeschoss und Obergeschoss werden deshalb nur temporär als Ferienwohnungen vermietet. Da selbst in dieser ausgesprochenen Ferienregion im Winter kaum Tourismus herrscht, konnte man auf die in heutigen Wohnbereichen erwarteten Energiestandards verzichten. Dämmungen wurden überflüssig, und die weitgehend historischen Fenster behielten nach der Reparatur ihre Einfachverglasung. Der ehemalige Stall samt Futterkrippen dient heute als Fahrradraum.
 
Für die Eigentümer wurde dagegen im riesigen, mehrgeschossigen Dachraum eine dauerhaft zu nutzende, separate und großzügige Wohnung eingerichtet. Eine gestalterisch sich unterordnende Außentreppe führt auf der Rückseite des Scheunenanbaus des 19. Jahrhundert hinauf. Die Verbesserung der Belichtung des Speichers wurde mit Augenmaß realisiert. Auf der das Gesamtbild des Baues bestimmenden Dachfläche mit der alten Biberschwanzdeckung gibt es auf der Straßenseite keine zusätzlichen Gauben oder Dachflächenfenster. Farbfassungen wurden nach Befund ausgeführt, neue Bauteile, wie die Innentreppen im Dachstuhl, in modernen, aber nicht modischen Formen hinzugefügt. Bleibt zu hoffen, dass der östliche, noch größere Hausteil ebenso die Chance einer in handwerklicher und gestalterischer Hinsicht gleichfalls vorbildlichen Sanierung erhält.

 

Verband der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V.

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73760 Ostfildern – Scharnhauser Park

 
 


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